Antje schneidet Seife
Rückblick

Rückblick auf 4 1/2 Jahre Erica

So lange bin ich jetzt schon selbstständig, manchmal kann ich es kaum fassen. Es wird Zeit, für einen Rückblick auf die letzten Jahre.

Als ich Erica 2017 eröffnete, hatte ich, trotz entsprechender Ausbildung, nicht viel Ahnung von betriebswirtschaftlichen Dingen. Was mich antrieb, war der Drang nach Selbstständigkeit. Ich hatte in den letzten Jahrzehnten in verschiedenen Läden gearbeitet und Gehälter ausgezahlt bekommen, die mir die Tränen in die Augen trieben. Ich hatte keine Lust mehr, mich ausbeuten zu lassen. Also lieh ich mir von einem Freund Geld und machte mich auf die Ladensuche. Ab sofort wollte ich mich selbst ausbeuten (hahaha). 

Die anfängliche Suche beschränkte sich auf die Stadtbezirke Mitte und Friedrichshain. Wenn nicht dort, wo dann könnte ein Laden für Naturkosmetik funktionieren? Allerdings merkte ich bald, dass sich das nicht so richtig gut anfühlte. Zum einen: ich hatte keinen Bock auf den langen Arbeitsweg und zum anderen: ich dachte, diese Bezirke sind, wie sich ins gemachte Nest zu setzen. Neukölln hatte einen nachhaltigen Laden viel nötiger! Also tat ich das einzig Unvernünftige und suchte in meiner Hood. In die Ruine, die die Hausverwaltung als Ladengeschäft in B-Lage betitelte, verliebte ich mich sofort und ab dann ging alles superschnell – ich zog mir nen Blaumann an und renovierte auf die denkbar stümperhafteste Weise diese runtergerockte Bude. Von Böden abschleifen bis streichen waren alle Dinge dabei, von denen ich absolut keine Ahnung habe und im Oktober dann eröffnete ich. 

Bei der Produktauswahl bekam ich im Vorfeld den Tipp, sogenannte Verkaufsgaranten mit an Bord zu nehmen, was ich auch umsetzte, obwohl es sich nicht so richtig gut anfühlte. Eigentlich hatte ich damals schon mehr Bock auf Nische! Witzigerweise schluckte L’Oréal ein paar Monate später die Firma Logocos (Logona und Sante) und damit war meine Entscheidung, hauptsächlich mit kleinen HerstellerInnen zu arbeiten, in Stein gemeißelt. Auf den Restbeständen blieb ich sogar noch sitzen, als ich sie 50% reduzierte. 

Ich stellte nach und nach das Sortiment um und Erica wurde immer interessanter für Menschen, die auf der Suche nach nachhaltigen Kosmetikprodukten waren. Die große Range an Haarseifen hatte ich von Beginn an, das war mir wichtig, weil ich mir eine kompetente Beratung gewünscht hätte, als ich selbst mit der Umstellung begann. 

Etwa ein Jahr lang stand ich täglich in diesem Laden und musste Fragen beantworten wie „Wieso soll ich bei dir 5 Euro für ein Stück Seife bezahlen, wenn ich es bei DM für 1 Euro kaufen kann?“ und „Lohnt sich das hier überhaupt?“.  

Bis zu diesem denkbaren Augenblick, als im privaten Fernsehen eine Sendung ausgestrahlt wurde, in der ein Mann als Experiment seine Nahrung ausschließlich aus Plastikgeschirr aufnahm und am Ende dann ärztlich diagnostiziert bekam, dass Partikel davon in seinem Hirn gelandet seien. Oder so ähnlich. 

Ab diesem Zeitpunkt rannte man mir die Bude ein. KundInnen wollten massenweise Ihre Shampoos und Duschgele fortwerfen und sie gegen feste Produkte austauschen. Ich musste sehr viel Überzeugungsarbeit leisten und beruhigen und auch manchmal schimpfen. Aber eines wurde mir klar: ich galt als eine Art Pionierin, weil ich auf keinen fahrenden Zug aufgesprungen war, sondern mich schon vor Erica viele Jahre mit dem Thema Nachhaltigkeit beschäftigt hatte. Die Leute vertrauten mir. 

Der Laden lief gut, ich veränderte mich stetig, nahm Produkte hinzu, stieß einige wieder ab, bot Zero Waste-Workshops an, begann, selbt zu produzieren und im vierten Jahr dann kam Corona. Obwohl ich als systemrelevant galt und öffnen durfte, kam kaum noch jemand in den Laden. Zusammen mit meiner Freundin Maria, die eine Granate in Sachen PR ist, baute ich den Onlineshop neu auf, weil sich alles nur noch dort abspielte. Auch nach zwei Jahren Pandemie ist das noch so. Die Menschen haben ihr Einkaufsverhalten verändert, das Konzept von Erica, unterdessen e.e.m. funktionierte nicht mehr so, wie ich es mir anfangs ausgemalt hatte. Und was noch vor einem Jahr unfassbar frustrierend für mich war, sehe ich jetzt als eine Chance, mich zu verändern und zu wachsen. Ich habe richtig Bock! 

In Zukunft werde ich meine Zelte in Schöneberg aufschlagen. Die Ladenfläche wird sehr viel kleiner und ich werde, bis auf wenige Ausnahmen, nur eigene Produkte anbieten. Der Produktionsbereich wird sich wesentlich vergrößern, weil mein neues Angebot „personalisierte Seifen für Unternehmen“ gut angenommen wird. Ich stelle keine 20 Seifen mehr her, sondern 1000. 

Vieles ist anders als vor 5 Jahren, aber das ist schön und gut und macht unfassbar viel Spaß. Ich arbeite mit tollen Menschen zusammen und bin glücklich und demütig, nicht die Schürze hingeschmissen zu haben.

Wir sehen uns in Schöneberg!

Damals noch mit roten Haaren. Foto: Magdalena Vidovic
Erica Schaufenster
Allgemein, Rückblick

Wie Erica zu e.e.m. wurde

Seit vier Monaten darf ich den Namen Erica wegen einer Markenrechtsverletzung nicht mehr benutzen. Kinder, wie die Zeit vergeht. 

Natürlich taucht er noch auf, das lässt sich garnicht vermeiden. Ich habe massenhaft alte Aufkleber und Sticker, manche GeschäftspartnerInnen haben es noch nicht geschafft, den Namen zu ändern und über meinem Laden steht auch noch Erica. Da ich ohnehin bald ausziehe, erledige ich das in einem Abwasch. Für den neuen Shop lasse ich ein Nasenschild anfertigen, so eins wollte ich schon immer haben. Nicht nur wegen des Namens, aber auch.

Markenanmeldung – ja oder nein?

In der letzten Zeit fragen mich immer wieder UnternehmerInnen, ob ich es für sinnvoll erachte, eine Marke anzumelden oder nicht. Meine Antwort lautet klar und deutlich: ja! Als ich Erica 2017 gründete, habe ich als einzige Maßnahme mal kurz recherchiert, ob es weitere Shops mit diesem Namen gibt. Das war’s. Lustigerweise kam mir die niederländische Erica, die es immerhin seit mehreren Jahrzehnten gibt, damals nicht unter. Das spricht nicht für meine Google-Fähigkeiten. Völlig logisch hat diese Firma auf Ihr Recht bestanden, denn sie hatte die weltweiten Rechte angemeldet und sowas ist wirklich teuer, vor allem, wenn man jemand Professionellen damit beauftragt. Noch schlimmer wird es, wenn das verklagende Unternehmen gleich die Anwälte schickt und das ist offenbar keine Seltenheit. Es muss uns klar sein, dass sich in der kapitalistischen Welt viele armselige Arschlöcher tummeln, die es geil finden, auf kleine Menschen rumzudrücken. Ich hatte Glück, die niederländische Erica war sehr nett!

Nach und nach wird sich also e.e.m. durchsetzen und nicht nur ich, sondern auch die meisten meiner KundInnen haben sich längst daran gewöhnt. Viele wissen schon, dass meine geliebte Großmutter Erika hieß und ich den Laden nach ihr benannt habe. e.e.m. bedeutet Erika Emma Minna – die drei Vornamen von Oma. Sie bleibt also im Unternehmen und das ist für mich das Wichtigste. Alles andere wird sich fügen. Wie immer.

Naturkosmetik, Persönliches

Warum ich keine Kooperationen eingehe

Obwohl ich meinen Zwanzigern längst entwachsen bin, ist mir natürlich bewusst, dass Werbung heute anders abläuft, als damals. Radio-, Fernseh- und Printanzeigen sind nicht mehr aktuell, denn heute werben wir geschlossen in Social Media. Was für viele UnternehmerInnen offenbar gut funktioniert, löst bei mir ein langanhaltendes Stirnrunzeln aus. Da ich keine permanenten Falten will, habe ich entschieden, das Thema Influencer-Marketing zu den Akten zu legen.

In den letzten zwei Jahren habe ich mehrmals Pakete gepackt und sie zu Menschen geschickt, die auf Instagram über eine große Reichweite verfügen. Natürlich nicht initiativ, sondern abgesprochen. Was erhoffte ich mir davon? Keine Ahnung, ehrlich gesagt. Vielleicht ein paar mehr FollowerInnen, einige verkaufte Seifen, sowas halt. Was bekam ich? Nichts plus Ware, die ich abschreiben musste. Für ein kleines Unternehmen wie eem ist das sehr bitter, denn dieses Geld fehlt. Ich hätte es genauso gut dem Obdachlosen Ercan geben können, der jeden Tag vor meinem Laden anhängt. Das wäre weitaus sinnvoller gewesen.

Ich bekomme nahezu täglich Anfragen, von kleineren InfluencerInnen. Teilweise nett, aber oft auch sehr dreist und durchschaubar. Einige besonders Schlimme zeige ich meinem Mann und wir lachen dann ein bisschen darüber. Mir ist schon klar, dass auch diese Anfragen den Sinn erfüllen, möglicherweise ein Unternehmen aufzubauen und ich habe Respekt davor, wenn jemand hart daran arbeitet, sich selbstständig zu machen. Aber ich habe keinen Respekt, wenn Anfragen unfreundlich und fordernd formuliert werden. Wir alle wissen nicht viel voneinander. Möglicherweise denkt jemand, der den Webshop von eem sieht, dass das Unternehmen viel Geld abwirft. Butter bei die Fische: dem ist nicht so. Ich arbeite mir jeden Tag den Arsch ab, um es auf solide Beine zu stellen. Warum das nach fast 5 Jahren noch so ist, kann ich gerne mal an anderer Stelle erläutern. Aber ich liebe meinen Job, also was soll’s.

Mein Entschluss, keine Energie (und vor allem kein Geld) mehr in Influencer-Marketing zu stecken, steht erstmal fest. Vielleicht ist das irgendwann anders, ich halte das Ende offen, denn Meinungen ändern sich und das ist auch gut.

Allgemein, Persönliches

Warum ich trotz schlechter Haut einen Laden für Naturkosmetik habe

Ich bekomme hin und wieder mal die Frage gestellt, wie es sein kann, dass ich einen Laden für Naturkosmetik und trotzdem so schlechte Haut habe. Oder warum ich blaue Haare habe, tätowiert und gepierct bin und ständig dreckige Witze mache. Das passt doch nicht zusammen!

Anfangs hat mich das verletzt, weil ich es so übergriffig fand, dass ich auf offensichtliche Unzulänglichkeiten in meinem Gesicht angesprochen werde. Ich finde es noch immer übergriffig, aber ich scheiße unterdessen drauf, was Menschen über mich denken, die mir charakterlich so sehr fern sind. 

Meine Haut ist schlecht, weil ich täglich Antidepressiva nehme. Bevor ich vor 13 Jahren mit der Einnahme begonnen habe, war meine Haut makellos. Jetzt ist sie teilweise wirklich schlimm, dafür habe ich aber nicht mehr alle paar Tage den Wunsch, aus dem Fenster zu springen. Was ist besser?

Meine Haut ist unfassbar trocken. Besonders im Winter ist das oft so extrem, dass keine Pflege es in den Griff bekommt. Ich erwarte dann in der Regel vorfreudig den Frühling, dann beruhigt sich das.

Ich bin 42 Jahre alt. Ich habe Falten. So ist das nun mal, die bekommt jedeR. Auch der Hals beginnt zu hängen. Herzlichen Glückwunsch. Kann man nicht ändern. Wenn mich das irgendwann stören sollte, werde ich über plastische Chirurgie nachdenken. 

Es ist mir egal, was fremde Menschen über mich denken, das bedeutet mir nichts, das trifft mich auch nicht (mehr). Wichtig ist, wie ich mich fühle. Ich werde immer das tun, was sich für mich richtig und gut anfühlt. 

12 von 12

Meine 12 von 12 im Februar

Jeden verdammten Morgen das Warten auf den zweiten Strich.
Ich bin schon dabei.
An zwei Rechnern arbeitet es sich effizienter.
Öle abfüllen für Adidas.
Die Ladensuche wird immer abenteuerlicher.
Mein Mann hat ein neues Buch herausgebracht.
Shampooentwicklung für die Ladies von Haarweisheiten.
Seifen, Schäumchen, Sensationen.
Neukölln könnte mal wieder aufräumen.
Ich bin schon den ganzen Tag auf der verzweifelten Suche nach einem neuen Zuhause für diesen Prachtkerl hier. Leider droht das Tierheim. Wenn Du was weißt, sag Bescheid.
Jeder Profi wird in diesem Moment den Glauben an die Menschheit verlieren. Das ist mein neues Hobby. Ich tätowiere Übungshaut.
Morgen backe ich Kuchen. Gute Nacht.
Persönliches

Älter werden

Im Februar ist mein Geburtstag. Normalerweise bin ich kein Fan und verkrieche mich an diesen Tagen im Bett. Aber ich habe eine Erkenntnis gewonnen und die würde ich gerne teilen. 

Für mich bedeutet 42 Jahre alt zu sein, mindestens die Hälfte meines Lebens geschafft zu haben. Da kommen unweigerlich Fragen auf wie: Habe ich genug getan, um es bis hierher auszukosten? Bin ich ausreichend oft in der Kneipe unterm Tisch gewesen? Habe ich genügend Spaß gehabt? Bin ich genug gereist? 

Ich will Euch was sagen: auf manche Fragen kann ich mit „Ja“ antworten, auf manche mit „Nein“. Vieles in meinem Leben ist komplett anders verlaufen, als ich es mir vorgestellt hatte. Aber eines ist ganz klar: es ist toll, wie es ist

Heute hatte ich ein schönes Gespräch mit einer weisen Frau (Hallo, Laura!), in welchem Verlauf ich sagte, dass ich meine Einstellung zu mir selbst meinem Alter zu verdanken habe. Diese weise Frau entgegnete, dass das eher meiner Arbeit an mir selbst geschuldet sei und ich muss ihr unbedingt recht geben. Ich bin heute, mit 42, ein viel coolerer Mensch als noch vor 10 Jahren.

Foto: Josephine Neubert

Wie stehst Du zu Deinem Alter? Bist Du fein damit oder macht Dir das Angst? Schreib mir gern Deine Gedanken dazu, wir können viel voneinander lernen.

Ich habe immer mit meinem Aussehen gestrugglet. Früher war ich spindeldürr, mit Mitte 20 wog ich 45 Kilo. Als ich Anfang 30 war, nahm ich zu und bekam Akne. Geil. Ich habe mich nie besonders schön gefühlt. Heute tue ich das, mit allem, was dazu gehört: meinen Pickeln, meinen grauen Haaren, dem dicken Bauch und dem Hallux.

Antje Thoms, Beautyexpertin

Ich war schon immer eine super-ungeduldige Person, wenn jemand z.B trödelt, bin ich schnell auf der Palme.  Aber je älter ich werde, desto mehr lerne ich, die Menschen um mich herum so zu lassen, wie sie sind. Ich stecke noch mitten im Lernprozess, aber ich merke, es wird besser.

Antje Thoms, lernt schnell dazu

In meinen Zwanzigern habe ich mich größtenteils mit mir selbst beschäftigt (ich glaube, das ist einigermaßen normal). Jetzt sehe ich  das große Ganze viel mehr und ich weiß, dass es wichtig ist, andere mit einzubeziehen. Natürlich immer unter der Prämisse, sich selbst nicht zu vergessen.

Antje Thoms, hat die Scheuklappen abgesetzt

Seit ich 19 bin, habe ich eine Panikstörung und bin depressiv. Danke, Leben! Über 10 Jahre bin ich damit herumgerannt und habe mich schlecht gefühlt. Nach unzähligen Therapien habe ich mich für Folgendes entschieden: ich werfe jeden Morgen eine handvoll Pillen in meinen Mund und  fülle meinen Serotoninspiegel künstlich auf. Für manch einen ist das Unterdrückung/Betäubung, für mich macht es mein Leben absolut lebenswert.

Antje Thoms, Unterstützerin der Pharma-Lobby

Je älter ich werde, desto mehr Witze mache ich. Unser Leben zuhause ist eine einzige Comedy-Show und ich liebe das. Ich liebe es, dass mein Mann so ein lustiger Mensch ist und das unser Sohn mit seinen 8 Jahren einen ganz feinen und ausgeprägten Sinn für Humor hat. Ich bin jeden Tag dankbar über diese Tatsache.

Antje Thoms, Fips Asmussen-Double

Seifentisch
Persönliches

Warum ich keine Dumping-Preise anbiete

In letzter Zeit häufen sich die Anfragen nach Rezeptentwicklungen, was wirklich toll ist. Auf diese Art der Zusammenarbeit habe ich besonders große Lust, denn ich kann mich kreativ ausleben und etwas Tolles kreieren, mit dem meine KundInnen, die EndverbraucherInnen und am Ende ich glücklich sind. Die Entwicklung fällt mir leicht, ja, auf jeden Fall. Ich brauche auch nicht lang dafür, einen ersten Entwurf zu Papier zu bringen. Woran das liegt? An meiner Expertise. Ich habe die letzten 5 Jahre damit verbracht, mich intensiv mit dem Thema auseinanderzusetzen. Habe unzählige Rezepte probiert, versemmelt, nochmal neu begonnen, in den Eimer geworfen und so weiter. Dabei habe ich massig viel für Rohstoffe, für Kurse und für Fachbücher ausgegeben. Dieses Wissen kostet Geld.

Antje steht in der Werkstatt und macht Seife
Riechen ist mein großes Hobby.

Wenn Du mit mir zusammen Dein Produkt entwickelst, wird es gut. Ich nehme nicht einfach irgendein Rezept und hübsche es auf, sondern ich entwerfe Dir DEIN Produkt. Womit Du Geld verdienen wirst, wenn Du es richtig anstellst. Und diese Arbeit kann nicht umsonst sein.

Ich bin ein großer Fan von Fairness und ich finde es wichtig, dass alle, die an einem Arbeitsprozess beteiligt sind, in irgendeiner Weise davon profitieren. Und damit meine ich auch PraktikantInnen, GrafikerInnen, HerstellerInnen, LieferantInnen, etc.. Ich will Niederschwelligkeit und ich wünsche mir, dass alle zufrieden sind.

Pigment in Seifenleim.

Wenn Du Lust hast, mit mir zu arbeiten, dann freue ich mich, wenn Du Dich bei mir meldest. Ich erläutere Dir gerne meine Preise und wie sie sich zusammensetzen.

Persönliches

Was sich 2022 in meinem Business verändert

2022 wird ein turbulentes Jahr, das macht sich schon jetzt bemerkbar. Ich habe mir viel vorgenommen, weil ich gerne weiterlaufen will. Natürlich bleibt man mit einem Business nie wirklich auf der Stelle stehen, aber das letzte Jahr hat sich zumindest teilweise so angefühlt. Jedenfalls – jetzt wird angepackt und verändert.

1. Umzug

Ich werde neue Räumlichkeiten für e.e.m. suchen und finden. Die letzten vier Jahre war ich auf der Weserstraße in Neukölln und ich habe mich größtenteils sehr wohl gefühlt. Auf der anderen Seite gibt es auch viele Dinge, die mich hier nerven. Überall pfeift der Wind durch, die Türen klemmen, morgens fege ich immer einen Riesen Haufen Müll vom Gehweg. Außerdem hat 2021 Karmatechnisch viel Asche hinterlassen, ein Einbruch, ein fetter Wasserschaden, zwei Baustellen inklusive Dixi direkt vor dem Laden. Ich fühle mich nicht mehr richtig wohl. Wenn Dich interessiert, was sich en detail ereignet hat, lies‘ gerne meinen Jahresrückblick.

2. Rebranding

Zum ersten Januar musste ich meinen Namen ändern von Erica in e.e.m.. Schuld daran war eine Markenrechtsverletzung meinerseits. Was diese kleine Tatsache alles für Umstände mit sich bringt, habe ich nicht geahnt. Aber naja, wir leben in Deutschland, hier ist man gerne bürokratisch und das bekomme ich grad kräftig zu spüren. Ich muss tausende Formulare ausfüllen und unzählige Telefonate führen und das als Mensch, der lieber Mails und Sprachnachrichten verschickt. Zum Glück habe ich bis Ende April Zeit, bis dahin muss allerdings auch der letzte Hinweis darauf verschwunden sein, dass Erica jemals existiert hat.

3. Neues Angebot

2021 hat mir gezeigt, dass ich mein Angebot verändern möchte. Der Inhabergeführte Einzelhandel liegt grad allerorten ein wenig brach, logisch. Selbst bei gelockerten Maßnahmen kommen die Menschen nicht mehr in den Laden wie früher, weil sie sich daran gewöhnt haben, von der Couch aus zu shoppen. Das geht mir nicht groß anders. Gleichzeitig wird Seife und insgesamt Naturkosmetik für viele UnternehmerInnen immer interessanter. Ein Stück Seife mit Firmenlogo ist ja wohl schöner, als der klassische Kugelschreiber, oder? Außerdem profitieren Hotels, HochzeitsplanerInnen und andere HändlerInnen von meinem Angebot. Den Bereich „Rezeptentwicklung“ habe ich neu erschlossen. Es macht mir viel Spaß, mit meinen KundInnen nach ihren Vorstellungen tolle Produkte zu entwickeln und nach ein paar Durchläufen kann ich sagen: das mache ich weiter.

4. okee

Anfang 2021 haben meine Freundin Maria und ich eine neue Firma gegründet, sie heißt okee. Wir wollen wirkstoffbasierte, hochwertige Naturkosmetik entwickeln und vertreiben. Anfangen werden wir mit Sojawachskerzen, die wir bald launchen. Eigentlich wollten wir das schon vor Weihnachten machen, aber naja – das Leben kam dazwischen.

5. Einmal die Woche bloggen

Seit über einem halben Jahr schleiche ich um das Thema Bloggen herum. Ich habe früher ganz viel geschrieben, für kleine Punkrock-Fanzines und habe auch ein paar eigene herausgebracht. 100 % DIY. Punk halt. Mit der Zeit kristallisierte sich immer mehr heraus, dass ich diese Skills auch ganz gut für mein Unternehmen nutzen kann. Größtenteils für Social Media, aber auch für Newsletter und E-Mails. Es macht mir Spaß und ich bekomme viele positive Reaktionen darauf, was wiederum meinen Bauch pinselt. Und weil ich besser arbeite, wenn ich mich in einer Gruppe befinde, bin ich Anfang Januar der Content Society beigetreten. Wenn Du magst, lies mit. ❤️

Ausblick vom Seifentisch
Allgemein

Jahresrückblick

Mein Jahresrückblick 2021

Das Jahr war fast von vorne bis hinten zäh. Es gab von Beginn an keine guten Aussichten und es sollte sich bewahrheiten. Fast allen Menschen in meinem Umfeld ging es so. Aber ich wäre nicht ich, wenn ich aus dem größten Scheißhaufen nicht noch was positives herausholen würde. 

Corona – alles hat ein Ende?

Das Jahr beginnt, wie das alte geendet hat.

Hätte man mir Anfang 2020 gesagt, wir würden bald in einer weltweiten Pandemie feststecken, ich hätte es nicht geglaubt. Nun stecken wir schon seit knapp zwei Jahren und alles sind müde und wütend oder beides gleichzeitig. Die Maßnahmen schaden gerade den kleineren Läden enorm, aber natürlich auch für Veranstalter und Gastro ist dieses Virus ein Furunkel am Arsch der Hölle. Es ist wirklich schrecklich frustrierend mitanzusehen, wie das mit den eigenen Händen aufgebaute Unternehmen den Bach runtergeht. Irgendwann kam der Punkt, da musste ich handeln. Dazu später mehr.

Im Laden hängt ein Foto meiner Oma Erika, auf dem sie Anfang 20 ist. Ich wünsche ihr immer einen guten Morgen, wenn ich die Jalousie hochziehe.
Oma Erika und ich. Foto: Silvie Bonne

Support your local – jetzt erst recht

Mehr als jemals zuvor gehören kleine Unternehmen unterstützt.

Kleine Unternehmen sind die bunten Streusel auf unserem Vanilleeis. Durch sie wird das Stadtbild (oder der Online-Marketplace) divers und leidenschaftlich. Inhabergeführte Geschäfte haben zumeist auch einen nachhaltigen Hintergrund, weil die BesitzerInnen in den meisten Fällen keine Waren aus China importieren, sondern Wert auf fair trade und Qualität legen. In einem kleinen Geschäft bekommst Du eine tolle Beratung und Produkte, die Du lieben wirst.Ein kleines Geschäft zu besitzen bedeutet aber auch: hohe Mieten zu stemmen, die meisten Tätigkeitsfelder alleine auszuführen (Buchhaltung, Marketing, Warenbeschaffung, Onlineshoppflege etc.), bis man sich soweit etabliert hat, dass man coole Menschen einstellen kann. In Zeiten von Corona ist es – mir fällt kein anderes Wort ein – beschissen, LadeninhaberIn zu sein. Die meisten mussten während der Lockdowns schließen. Viele hatten vorher keine Onlineshops und damit überhaupt kein Einkommen mehr. Die Mieten mussten natürlich weiterhin bezahlt werden und die staatlichen Hilfen kamen oft viel zu spät. Ich habe in diesem Jahr leider viele Schließungen erlebt. Gerade in dieser Zeit ist es wichtig, seinen Kram nicht bei den großen Onlinehändlern zu kaufen, sondern die Kleinen zu unterstützen, damit auch in Zukunft das bunte Stadtbild erhalten bleibt. 

NoPoo – alte Haare, neues Glück

Wie ich in einem Selbstversuch meine Haarroutine auf den Kopf stelle.

Ich arbeite schon länger mit den Ladies von Haarweisheiten zusammen, denn ich mache für ihr NoPoo-Bundle das Bürstenshampoo. Ich kämpfe mit meiner Haarstruktur seitdem ich herausgefunden habe, dass ich eine Naturwelle habe und wusste nie, wie ich die Mähne pflegen soll. Also habe ich im Januar den Onlinekurs gemacht und einfach mal angefangen. Anfangen bedeutet, jeden Morgen die Haare erstmal zu entwirren und dann vom Ansatz bis in die Spitzen mit einer Naturborste zu bürsten. Damit erreicht man, dass der Talg von der Kopfhaut in die Spitzen befördert wird, wo er schaltet und waltet, indem er Haare pflegt. Von der Kopfhaut ist er verschwunden – a miracle wonder. Da ich meine Haare regelmäßig aufhelle und töne, kommt ein totaler Verzicht von Shampoo für mich nicht infrage, aber nicht mehr alle paar Tage zu waschen, klang für mich schon nach totaler Erleichterung, zumal ich am Anfang des Jahres noch sehr lange Haare hatte. Unterdessen sind sie ein gutes Stück kürzer und ich bin auch 12 Monate später noch dabei. Ich wasche die Kopfhaut etwa alle drei bis vier Wochen, was daran liegt, dass sie zyklusbedingt extrem fettet und ich dem nicht Herr werde, indem ich nur mit Wasser spüle. Ich nutze diese Tatsache dann jeden zweiten Monat aus, um sie gleich nachzublondieren und zu tönen. Man muss keinen Taschenrechner zücken, um herauszufinden, dass ich mir in diesem Jahr den Kopf etwa 15 mal gewaschen habe – ist das nicht völlig verrückt? Die Längen sind schön weich und gesättigt und die Kopfhaut fettet, wie gesagt, nur einmal im Monat kräftig, sonst garnicht. Ich würde sagen, dieses Experiment hat sich gelohnt und ich trage diese Routine mit rüber in 2022. 

NoPoo bedeutet, dass man die Haare mit dem Körpereigenen Talg pflegt und der Kopfhaut beibringt, nur soviel Fett wie nötig zu produzieren. Auf dem Bild sind Bürsten mit Naturborsten, die man für diese Methode braucht.
Haarbürsten mit Naturborsten

No Dogma

Auf zu neuen Wegen ohne Einwegplastik, aber bitte ohne Dogma.

Ich höre das immer wieder: wie kann es sein, dass Du Naturkosmetik vertreibst und dennoch tätowiert bist und blaue Haare hast? Ich versuche in solchen Momenten immer, nicht die Augen zu rollen, denn wenn die Frage höflich gestellt wird, ist sie ja durchaus legitim. Dogmatismus hat in meinem Leben keinen Platz. Ich bin der Meinung, es können Gegensätze nebeneinander gut existieren. Ja stimmt, ich töne meine Haare mit Directions und diese Farbe pule ich aus einem Plastikdöschen. Und ja, ich hole mir manchmal nen Bubbletea in einem Plastikbecher. Diese Liste kann ich lange weiterspinnen.Ich trage aber trotzdem meinen Teil dazu bei, die Welt lebenswerter zu gestalten. Zum Beispiel mit Erica. Ich entwickle feste Kosmetik, die bezahlbar und gut ist, ich stelle für Unternehmen Seifen zu Marketingzwecken her, ich kläre auf, ich lebe auch vor. Und wenn dann mal Plastikmüll bei mir anfällt, ist das eben auch in Ordnung. Solange ich ihn sachgemäß entsorge und nicht einfach in die Spree werfe.

Ich sehe nicht so aus, wie Mensch eine Unternehmerin erwartet, die Naturkosmetik herstellt und vertreibt. Ich bin tätowiert, gepierct und habe blaue Haare. Aber: ich mag kein Dogma.
Foto: Josephine Neubert Fotografie

Preise transparent kalkulieren

Eine Preissteigerung war nötig.

Ich habe von Beginn an versucht, meine Preise so niedrig zu kalkulieren, wie es ging, sodass ich am Ende kaum was daran verdient habe. Das hatte vorrangig den Grund, dass ich alle irgendwie ins Boot holen wollte. Die Studentin, die Schülerin, die ohne Arbeit, die mit Arbeit, die Mama (ich spreche hier übrigens in der weiblichen Person, weil größtenteils Frauen in den Laden kommen), etc. Am Anfang des Jahres musste ich entscheiden, dass sich die Preise erhöhen müssen, wenn ich langfristig mit Erica selbstständig sein möchte. Das fiel mir richtig schwer, denn ich hatte Angst, dass ich Menschen zurücklassen müsste. Letztendlich war das allerdings auch eine wichtige unternehmerische Entscheidung und ein Teil meines Lernprozesses. Ich kann nicht für alle sorgen, sondern muss mich auf einen Teil konzentrieren. Außerdem half mir (und sicherlich auch den Menschen, die durch meine Preiserhöhung nicht mehr kamen), dass die Drogerien, was plastikfreie Kosmetik angeht, unterdessen auch ziemlich gut aufgestellt sind.

Das ist der Blick von außen auf Erica an einem der jährlich stattfindenden Shop Local Days.
Erica in der Außenansicht.

Mein neues Angebot

Personalisierte Seifen für UnternehmerInnen.

Seitdem ich meinen Laden habe, also seit über 4 Jahren, habe ich Kulis angesammelt, die mir unaufgefordert in den Briefkasten geflattert sind. Kulis mit Firmennamen, mit Firmenlogo, mit Website-Adresse, Kulis bis zum Abwinken. Das hat mich so sehr genervt. Ich habe Kulis, ich brauche keine weiteren, herzlichen Dank. Aus diesem Gefühl heraus entstand die Idee, personalisierte Seifen für Unternehmen mit ins Portfolio aufzunehmen. Das Firmenlogo wird auf ein Stück Seife gestempelt und dann zu Werbezwecken verschenkt. Auf Messen, zu Weihnachten, Firmenjubiläum etc.Unterdessen habe ich Seifen für Hochzeiten, Hotels, für eine Autorin zur Buchpremiere, für HändlerInnen zum Weiterverkauf gemacht und für das eigentliche Vorhaben – für Unternehmen zu Marketingzwecken. Ich finde es schön, wie sich alles entwickelt. Oft ohne, dass ich vorher überhaupt in eine solche Richtung gedacht hatte. Im nächsten Jahr möchte ich diesen Vertriebsweg noch weiter ausbauen. Einfach auch, weil es richtig viel Spaß macht.

Auf die Unternehmensseife stemple ich ein individuelles Firmenlogo. In diesem Fall heißt das Unternehmen Opentalk, die Seifen wurden auf einer Messe verteilt und haben hoffentlich einen bleibenden Eindruck hinterlassen.
So könnte Deine Unternehmensseife aussehen.

Mastermind

Wie ich mit einer Gruppe von Unternehmerinnen mein Business auf neue Beine stelle. 

Eine treue Kundin von Erica, die unterdessen zur Freundin geworden ist, arbeitet selbstständig als Vertriebsberaterin und hat zusammen mit einer anderen coolen Frau, eine Businesscoachin, eine Mastermind gegründet.Was ist eine Mastermind? Wenn ich es in meinen Worten umschreiben darf, ist das ein Zusammenschluss von UnternehmerInnen, die im Grunde alle ein Thema haben, nämlich ihr Business. Im Falle von Smash it wird diese Gruppe von Gretel und Laura zu ihren individuellen Themen regelmäßig gecoacht, befindet sich aber gleichzeitig im regen Austausch mit allen Mitgliedern.  Seit dem Frühjahr bin ich nun also in dieser Gruppe und schwöre – ich wäre niemals an diesem Punkt in meinem Business, wenn ich mich entschieden hätte, alleine weiterzugehen. Meine Bubble wurde eingepiekst und 16 Businessladies schauen regelmäßig von außen auf mein Unternehmen. Wieviel Gold das wert ist, kann ich nicht in Worte fassen. Ich habe Dinge umgesetzt, auf die ich nie im Leben gekommen wäre und habe einen ganz anderen Blick auf den Wert meiner Arbeit entwickelt. Dies hier ist eine Liebeserklärung an Smash it. <3

Meine Mastermind-Gruppe am VIP-Tag in Berlin. Fast alle haben sich an diesem Tag das erste Mal gesehen.
Die tollen Ladies aus meiner Mastermind. Foto: Kareen Kittelmann

Einbruch, Wasserschaden, klemmende Türen

Wie das Karma im Laden immer mehr in den Keller geht.

Im Frühjahr war es soweit – all meine Horrorszenarien, die sich immer nur in meinem Hirn abgespielt hatten, wurden Wirklichkeit. Ich kam morgens in den Laden und stellte fest: hier wurde wohl eingebrochen. Der oder die Täter (ich tippe auf ersteres) hatte sich Zugang über das Küchenfenster verschafft und munter alles aus dem Regal genommen, was in irgend einer Weise originalverpackt war, hatte sich dann zwei große Tragetaschen aus meiner Werkstatt gemopst und war frohen Mutes einfach durch die Vordertür herausmarschiert. Der bürokratische Rattenschwanz hinterher war ätzend und ich habe mir sofort eine Überwachungskamera zugelegt. Was aber am schwersten wog, war das ekelhafte Gefühl, dass jemand in meinen geliebten Laden eingedrungen ist und ihn mit seinen oder ihren schmutzigen Griffeln entweiht hat. Wenig später gab es in Berlin einen monströsen Regentag, der den Balkon über Erica geflutet und dann das Wasser hat in meinen Verkaufsraum fließen lassen. Wasser und Seife passt in der Dusche super zusammen, jedoch nicht in einem Ladengeschäft, Herrgott nochmal! Auch hier war der versicherungstechnische Aufwand enorm und noch heute ist meine Decke von gelben Flecken überzogen. Diese beiden Dinge und noch viele, viele kleinere haben das Karma im Laden einfach zerstört. Was ich dagegen tue, erfährst Du demnächst (wenn Du weiterliest).

Am Tag, als das Wasser aus der Wohnung über mir in meinen Laden kam, haben aufgestellte Töpfe und Eimer nicht mehr gereicht. Es musste ein Nasssauger her.
Das Wasser kommt einfach von überall. Der Wurmstichige Holzboden findet’s nicht geil.

Dänemark – ein Sommerurlaub, der Träume freisetzt

Keine Ahnung, wie ich all die Jahre nicht merken konnte, wie sehr mir das Meer fehlt. 

Ich komme ursprünglich aus Mecklenburg-Vorpommern, bin also in der Nähe des Meeres aufgewachsen. Mit 16 bin ich nach Freiburg gezogen, in die Berge. Ich habe nie eine wirkliche Verbundenheit gespürt, weder mit dem einen, noch mit dem anderen Naturphänomen. Aber wenn ich reflektiere, stelle ich fest, dass es mich eigentlich immer eher in Richtung Meer gezogen hat. Als ich mit Anfang 20 nach Berlin ging, hatte ich nichts mehr von beiden.In diesem Sommer wollte ich gerne mit meiner Familie verreisen. Da ich meinen Vater auch nicht mit der Hilfe von nem Elefanten in ein Flugzeug gesetzt bekomme, musste ein Ort her, den man mit dem Auto erreichen konnte. Die Wahl fiel auf Dänemark. Vorher wäre ich niemals auf die Idee gekommen, in ein skandinavisches Land zu reisen, weil es mir nicht warm genug ist, aber in diesen Zeiten muss man nehmen, was sich bietet.Die Westküste hat mich sofort total geflasht. Das Raue, der Wind, die entspannten Menschen. Die Häuser dort mit in den Dünen. Es war so, so schön. Keiner von uns hatte mehr Befindlichkeiten, alle waren glücklich.Ich brauche das Meer, das weiß ich jetzt und ich werde so oft es geht, dahin zurückkehren.

Die Nordsee an der Westküste Dänemarks ist so kraftvoll und rau. Man spürt die Stärke des Meers in jeder Sekunde.
An der Westküste weht ein rauer Wind.

Die Entscheidung: es wird umgezogen

So geht es nicht weiter. Wenn niemand mehr in den Laden kommt, muss ein neues Konzept her. 

Wenn irgendwas nicht mehr funktioniert, muss es geändert werden, ansonsten geht es den Bach runter. Soviel steht fest. Mitte des Jahres musste ich die Entscheidung treffen, dass es so, wie es ist, nicht mehr weitergehen kann. Es kommen nur noch wenige Menschen in den Laden, die meisten bestellen online. Der Inhabergeführte Einzelhandel ist seit Corona einfach nicht mehr interessant genug. Das Einkaufsverhalten hat sich verändert, die Angst, sich anzustecken ist zu groß. Mir geht es nicht anders. Ich mag nicht mehr stöbern gehen, sondern klicke mich lieber online in Ruhe durch die Produkte und hole die Sachen dann ggf. ab. Oder lasse sie mir schicken. Was sich aber nach wie vor entwickelt, ist das Umweltbewusstsein in den Köpfen der Menschen. Mein Angebot mit den personalisierten Seifen wurde gut aufgenommen und will ausgebaut werden. Die Idee, meine Verkaufsfläche zu verkleinern und dafür die Produktionsfläche zu vergrößern, ist manifestiert und wird 2022 umgesetzt. Alles wird sich verändern und das ist schön und aufregend und wird sicherlich toll.

Meine Freundin Josephine Neubert versteht es wie keine andere, meine Persönlichkeit auf Bildern einzufangen. Wenn ich in meinem Laden stehe, bin ich meistens glücklich, das kommt sehr deutlich rüber.
Am Seifentisch ist mir immer zum Lachen. Foto: Josephine Neubert

Das Weihnachtsgeschäft

Vorbereitung unzähliger Seifen, Freisetzung ungeahnter Kräfte. 2 G, Coronagenervtheit. 

Die Erfahrung der letzten Jahre hat gezeigt, dass zu Weihnachten immer mehr Seifen verschenkt werden, weshalb wir am Schluss immer zu wenig hatten. Am letzten Tag vor Weihnachten war der Seifentisch stets so leergefegt, als wäre man mit dem Laubbläser drüber gegangen. Das wollte ich unbedingt in diesem Jahr vermeiden.Also haben meine Mutter und ich produziert, wie die Wahnsinnigen. Ich habe wochenlang jeden Tag mindestens sechs 3 Kilo-Blöcke Seifen gemacht und nun zeichnet sich ab, dass das eine sehr weise Entscheidung war. Jeden Tag stapeln sich Seifenberge auf meinem Verkaufstresen. Es ist unfassbar toll!Dazu gesellt sich eine andere Stimmung als die letzten Jahre. Alle sind zusehends genervt, frustriert und verwirrt. Muss man nun seinen Impfausweis zeigen, wenn man den Laden betritt (nein, Erica gilt als Drogerie), darf man umgeimpft rein (ja), wieviele dürfen gleichzeitig im Laden sein (5) und so weiter. Eine besinnliche Stimmung kommt wahrscheinlich bei den Wenigsten auf und ich wünsche mir vom Weihnachtsmann, dass Corona im nächsten Jahr keine so große Rolle mehr spielt.

In meiner Werkstatt tüftle ich an neuen Rezepten, probiere neue Duftmischungen aus und experimentiere mit neuen Rohstoffen.
In der Werkstatt. Foto: Josephine Neubert Fotografie

Alles wird gut

Ich bleibe positiv. 

Trotz allem bleibe ich zuversichtlich. Mit dem neuen Konzept, einem anderen Standort, einer neuen Firma, die ich mit meiner Freundin Maria Anfang des Jahres schon gegründet habe und die nun endlich starten wird, habe ich genug tolle Aussichten auf 2022. Weiter erhalten bleibt Smash it und natürlich meine Familie, die Plattform, auf die alles andere aufbaut. Meine Träume, meine Ziele und meine Energie. Ich liebe alles an meiner Arbeit und freue mich auf neue Herausforderungen. 

Ein albernen Foto mit Seife anstelle von Augen. Check.
Albern kann ich. Foto: Josephine Neubert Fotografie

Was wartet 2022 auf mich?

  • ein neuer Laden Gleich im Januar begebe ich mich auf die Suche. Der Laden soll eine große Werkstatt, ein Büro und einen kleinen Verkaufsraum haben. Das sind meine drei Voraussetzungen.
  • ein neues Konzept Nach und nach werde ich mein Sortiment ausdünnen und nur noch Artikel behalten, hinter denen ich tausendprozentig stehe und die sich für mich und mein Unternehmen rechnen.
  • eine neue Brand Meine Freundin Maria und ich werden erste Produkte unserer neuen Brand launchen und die Marke okee etablieren.

Mein Wort für 2022 lautet: Reinhauen! Ich haue richtig rein und habe so Bock, mein Unternehmen auf ein neues, stabileres Fundament zu stellen. Ich würde mich freuen, wenn Du dabei wärst.  ❤️