Neuer Laden Schaufenster
Rückblick

Halbjahresrückblick

Die Hälfte diesen Jahres ist schon rum, ist das zu fassen? Ich hatte erst kürzlich den Eindruck, die Zeit rast mit steigendem Alter schneller, aber ich höre das auch von den jüngeren Menschen. An der Theorie scheint also nicht viel dran zu sein. 

In diesem Jahr habe ich so viele Höhen und Tiefen mitgemacht, wie vorher noch nie, das ist zumindest mein subjektiver Eindruck. Mein Halbjahresrückblick zeigt auf, was alles passiert ist.

Der Umzug 

Die Entscheidung, mit dem Laden umzuziehen, habe ich bereits im letzten Jahr getroffen, aber die Suche gestaltete sich sehr schwierig. Ursprünglich wollte ich in Neukölln bleiben. Zum einen, wegen des in knapp 5 Jahren aufgebauten Stammpublikums, zum anderen wegen des kurzen Arbeitsweges. Als ich Mitte 2021 anfing, die Fühler nach potentiellen Flächen auszustrecken, sah alles sehr vielversprehend aus. Es gab recht viel bezahlbaren Leerstand. Ich nahm mir vor, die Suche nach dem Weihnachtsgeschäft entspannt fortzusetzen und ahnte nicht, dass wohl viele anderen Menschen das genauso vorhatten. Kurzum – Anfang 2022 war nichts mehr übrig vom bezahlbaren Leerstand. 

Die Entscheidung, die Suche auf angrenzende Stadtbezirke auszuweiten, wurde getroffen, aber schnell musste ich das „angrenzend“ streichen. Schöneberg klang für mich irgendwie, naja, schön halt. Und als ich auf der Fläche in Friedenau stand, war es um mich gestehen. Es sah dort schlimm aus, eine chaotische Baustelle, aber die Liebe war sofort da. Exakt wie damals in der Weserstraße. Noch am selben Tag schickte ich die Bewerbung raus. Der Rest ist nachvollziehbar, denn ich bin ja nun dort anzutreffen. 

Corona

Dieses Virus hält uns seit über zwei Jahren fest in den dreckigen Klauen und es hat so vieles verändert. Unter anderem unser Einkaufsverhalten. Von „Support your locals“ ist nicht mehr so viel übrig geblieben. Jeder von uns war so sehr mit den ganzen Beschränkungen und Ängsten beschäftigt, dass es einfach unwichtig wurde, in der Nachbarschaft einkaufen zu gehen. Das ist eine stinknormale Konsequenz. Obwohl ich als Drogerie durchgehend geöffnet hatte, kam kaum noch jemand und ich habe die Hoffnung aufgegeben, dass sich das wieder normalisiert. Da ich aber nicht meinen Traum eines eigenen, nachhaltiges Unternehmens zu den Akten legen wollte, habe ich mich angepasst. 

Mein neues Angebot „personalisierte Seifen für Unternehmen“ wurde geboren und kommt ganz gut an. Ich hatte schon mehrere große Aufträge und entdeckte schnell den Spaß an der Sache. Den ganzen Tag in der Werkstatt zu stehen und Seifen herzustellen, ist ein komplettes Kontrastprogramm zum „im Laden sieben Stunden lang mit KundInnen zu quatschen“. Aber es ist ebenso eine tolle Arbeit und jetzt in Friedenau geht theoretisch beides, denn ich kann die Ladenfläche verlassen, ohne Angst zu haben, dass Leute die Tür aufreißen und mir auf den Boden spucken oder mir Wasser über den Seifentisch kippen. Womit wir zum nächsten Punkt kommen, den:

Menschen

Ja, die letzten zwei Jahre haben in unser aller Leben viel geändert. Es ist Scheiße, eingesperrt zu sein, niemand will das! Aber das Verhalten, das ich beobachte, ist wirklich erschreckend. Kaum noch jemand interessiert sich für andere Menschen, soviele rennen mit Aggressionen durch den Tag, es wird auf alles geschissen! 

Vor ein paar Jahren, noch lange vor Corona war ich deutlich unentspannter, ich war auch oft aggro und habe schlechte Laune an anderen ausgelassen. Mit zunehmender Weisheit hat sich das geändert und ich bin wirklich heilfroh deswegen. Ich kann den Menschen sehen, ich verstehe, dass jedeR eine Vorgeschichte hat. Auch wenn diese manchmal nur bis zum Frühstück reicht. Wenn jemand etwas tut, das mir nicht passt, stelle ich mir kurz vor, dass diese Person einen Fingernagel im Müsli hatte oder irgendwas anderes ekliges. Dann gehts wieder. Ich versuche, mich in meine Mitmenschen hineinzuversetzen und die Dinge, die sie machen, nicht persönlich zu nehmen. Das hilft mir extrem, entspannter zu bleiben und unangenehme Begebenheiten schneller abzuschütteln. 

Ich finde, wir alle sollten uns wieder mehr als Gemeinschaft wahrnehmen. Wir teilen uns diesen wunderbaren Planeten und sollten ihn mit Würde behandeln. Lasst uns bitte nett zueinander sein!

Der neue Laden

Ich bin total verliebt! Mit dem Umzug haben sich viele Dinge verändert. Ich brauche jetzt 45 Minuten mit dem Fahrrad zur Arbeit und ich liebe alles daran. Es gibt mir die Möglichkeit, mich morgens vorzubereiten und abends die Arbeit im Laden zu lassen. Die neue Fläche füllt sich langsam mit Leben und es ist sehr deutlich zu spüren, dass ein neuer Abschnitt beginnt. 

Ich stehe noch überwiegend alleine im Laden, weil natürlich in Friedenau noch kaum jemand weiß, dass ich existiere, aber das wird sich hoffentlich schnell ändern. Die Menschen, die ich bereits kennengelernt habe, egal ob Gewerbetreibende oder Anwohner, nehmen mich extrem gut auf. Ich habe mich sogar schon mit dem irren Kiezpunk angefreundet, der mich bei jedem zufälligen Treffen nicht mehr wiedererkennt und mich mich immer wieder für meine Haarfarbe lobt. Mit der Kaffeerösterei schräg gegenüber bin ich schon dabei, ein Peeling zu entwickeln. Ich habe ein tolles Fitnessstudio gefunden und gehe viel in den kleinen Straßen spazieren, die mich so sehr an Freiburg erinnern. 

Im Augenblick fühlt sich alles sehr schön an und ich hoffe, es bleibt so und wird noch schöner. 

Bis bald in Friedenau,

Antje

Erica Schaufenster
Allgemein, Rückblick

Wie Erica zu e.e.m. wurde

Seit vier Monaten darf ich den Namen Erica wegen einer Markenrechtsverletzung nicht mehr benutzen. Kinder, wie die Zeit vergeht. 

Natürlich taucht er noch auf, das lässt sich garnicht vermeiden. Ich habe massenhaft alte Aufkleber und Sticker, manche GeschäftspartnerInnen haben es noch nicht geschafft, den Namen zu ändern und über meinem Laden steht auch noch Erica. Da ich ohnehin bald ausziehe, erledige ich das in einem Abwasch. Für den neuen Shop lasse ich ein Nasenschild anfertigen, so eins wollte ich schon immer haben. Nicht nur wegen des Namens, aber auch.

Markenanmeldung – ja oder nein?

In der letzten Zeit fragen mich immer wieder UnternehmerInnen, ob ich es für sinnvoll erachte, eine Marke anzumelden oder nicht. Meine Antwort lautet klar und deutlich: ja! Als ich Erica 2017 gründete, habe ich als einzige Maßnahme mal kurz recherchiert, ob es weitere Shops mit diesem Namen gibt. Das war’s. Lustigerweise kam mir die niederländische Erica, die es immerhin seit mehreren Jahrzehnten gibt, damals nicht unter. Das spricht nicht für meine Google-Fähigkeiten. Völlig logisch hat diese Firma auf Ihr Recht bestanden, denn sie hatte die weltweiten Rechte angemeldet und sowas ist wirklich teuer, vor allem, wenn man jemand Professionellen damit beauftragt. Noch schlimmer wird es, wenn das verklagende Unternehmen gleich die Anwälte schickt und das ist offenbar keine Seltenheit. Es muss uns klar sein, dass sich in der kapitalistischen Welt viele armselige Arschlöcher tummeln, die es geil finden, auf kleine Menschen rumzudrücken. Ich hatte Glück, die niederländische Erica war sehr nett!

Nach und nach wird sich also e.e.m. durchsetzen und nicht nur ich, sondern auch die meisten meiner KundInnen haben sich längst daran gewöhnt. Viele wissen schon, dass meine geliebte Großmutter Erika hieß und ich den Laden nach ihr benannt habe. e.e.m. bedeutet Erika Emma Minna – die drei Vornamen von Oma. Sie bleibt also im Unternehmen und das ist für mich das Wichtigste. Alles andere wird sich fügen. Wie immer.

Naturkosmetik, Persönliches

Warum ich keine Kooperationen eingehe

Obwohl ich meinen Zwanzigern längst entwachsen bin, ist mir natürlich bewusst, dass Werbung heute anders abläuft, als damals. Radio-, Fernseh- und Printanzeigen sind nicht mehr aktuell, denn heute werben wir geschlossen in Social Media. Was für viele UnternehmerInnen offenbar gut funktioniert, löst bei mir ein langanhaltendes Stirnrunzeln aus. Da ich keine permanenten Falten will, habe ich entschieden, das Thema Influencer-Marketing zu den Akten zu legen.

In den letzten zwei Jahren habe ich mehrmals Pakete gepackt und sie zu Menschen geschickt, die auf Instagram über eine große Reichweite verfügen. Natürlich nicht initiativ, sondern abgesprochen. Was erhoffte ich mir davon? Keine Ahnung, ehrlich gesagt. Vielleicht ein paar mehr FollowerInnen, einige verkaufte Seifen, sowas halt. Was bekam ich? Nichts plus Ware, die ich abschreiben musste. Für ein kleines Unternehmen wie eem ist das sehr bitter, denn dieses Geld fehlt. Ich hätte es genauso gut dem Obdachlosen Ercan geben können, der jeden Tag vor meinem Laden anhängt. Das wäre weitaus sinnvoller gewesen.

Ich bekomme nahezu täglich Anfragen, von kleineren InfluencerInnen. Teilweise nett, aber oft auch sehr dreist und durchschaubar. Einige besonders Schlimme zeige ich meinem Mann und wir lachen dann ein bisschen darüber. Mir ist schon klar, dass auch diese Anfragen den Sinn erfüllen, möglicherweise ein Unternehmen aufzubauen und ich habe Respekt davor, wenn jemand hart daran arbeitet, sich selbstständig zu machen. Aber ich habe keinen Respekt, wenn Anfragen unfreundlich und fordernd formuliert werden. Wir alle wissen nicht viel voneinander. Möglicherweise denkt jemand, der den Webshop von eem sieht, dass das Unternehmen viel Geld abwirft. Butter bei die Fische: dem ist nicht so. Ich arbeite mir jeden Tag den Arsch ab, um es auf solide Beine zu stellen. Warum das nach fast 5 Jahren noch so ist, kann ich gerne mal an anderer Stelle erläutern. Aber ich liebe meinen Job, also was soll’s.

Mein Entschluss, keine Energie (und vor allem kein Geld) mehr in Influencer-Marketing zu stecken, steht erstmal fest. Vielleicht ist das irgendwann anders, ich halte das Ende offen, denn Meinungen ändern sich und das ist auch gut.

Seifentisch
Persönliches

Warum ich keine Dumping-Preise anbiete

In letzter Zeit häufen sich die Anfragen nach Rezeptentwicklungen, was wirklich toll ist. Auf diese Art der Zusammenarbeit habe ich besonders große Lust, denn ich kann mich kreativ ausleben und etwas Tolles kreieren, mit dem meine KundInnen, die EndverbraucherInnen und am Ende ich glücklich sind. Die Entwicklung fällt mir leicht, ja, auf jeden Fall. Ich brauche auch nicht lang dafür, einen ersten Entwurf zu Papier zu bringen. Woran das liegt? An meiner Expertise. Ich habe die letzten 5 Jahre damit verbracht, mich intensiv mit dem Thema auseinanderzusetzen. Habe unzählige Rezepte probiert, versemmelt, nochmal neu begonnen, in den Eimer geworfen und so weiter. Dabei habe ich massig viel für Rohstoffe, für Kurse und für Fachbücher ausgegeben. Dieses Wissen kostet Geld.

Antje steht in der Werkstatt und macht Seife
Riechen ist mein großes Hobby.

Wenn Du mit mir zusammen Dein Produkt entwickelst, wird es gut. Ich nehme nicht einfach irgendein Rezept und hübsche es auf, sondern ich entwerfe Dir DEIN Produkt. Womit Du Geld verdienen wirst, wenn Du es richtig anstellst. Und diese Arbeit kann nicht umsonst sein.

Ich bin ein großer Fan von Fairness und ich finde es wichtig, dass alle, die an einem Arbeitsprozess beteiligt sind, in irgendeiner Weise davon profitieren. Und damit meine ich auch PraktikantInnen, GrafikerInnen, HerstellerInnen, LieferantInnen, etc.. Ich will Niederschwelligkeit und ich wünsche mir, dass alle zufrieden sind.

Pigment in Seifenleim.

Wenn Du Lust hast, mit mir zu arbeiten, dann freue ich mich, wenn Du Dich bei mir meldest. Ich erläutere Dir gerne meine Preise und wie sie sich zusammensetzen.

Persönliches

Was sich 2022 in meinem Business verändert

2022 wird ein turbulentes Jahr, das macht sich schon jetzt bemerkbar. Ich habe mir viel vorgenommen, weil ich gerne weiterlaufen will. Natürlich bleibt man mit einem Business nie wirklich auf der Stelle stehen, aber das letzte Jahr hat sich zumindest teilweise so angefühlt. Jedenfalls – jetzt wird angepackt und verändert.

1. Umzug

Ich werde neue Räumlichkeiten für e.e.m. suchen und finden. Die letzten vier Jahre war ich auf der Weserstraße in Neukölln und ich habe mich größtenteils sehr wohl gefühlt. Auf der anderen Seite gibt es auch viele Dinge, die mich hier nerven. Überall pfeift der Wind durch, die Türen klemmen, morgens fege ich immer einen Riesen Haufen Müll vom Gehweg. Außerdem hat 2021 Karmatechnisch viel Asche hinterlassen, ein Einbruch, ein fetter Wasserschaden, zwei Baustellen inklusive Dixi direkt vor dem Laden. Ich fühle mich nicht mehr richtig wohl. Wenn Dich interessiert, was sich en detail ereignet hat, lies‘ gerne meinen Jahresrückblick.

2. Rebranding

Zum ersten Januar musste ich meinen Namen ändern von Erica in e.e.m.. Schuld daran war eine Markenrechtsverletzung meinerseits. Was diese kleine Tatsache alles für Umstände mit sich bringt, habe ich nicht geahnt. Aber naja, wir leben in Deutschland, hier ist man gerne bürokratisch und das bekomme ich grad kräftig zu spüren. Ich muss tausende Formulare ausfüllen und unzählige Telefonate führen und das als Mensch, der lieber Mails und Sprachnachrichten verschickt. Zum Glück habe ich bis Ende April Zeit, bis dahin muss allerdings auch der letzte Hinweis darauf verschwunden sein, dass Erica jemals existiert hat.

3. Neues Angebot

2021 hat mir gezeigt, dass ich mein Angebot verändern möchte. Der Inhabergeführte Einzelhandel liegt grad allerorten ein wenig brach, logisch. Selbst bei gelockerten Maßnahmen kommen die Menschen nicht mehr in den Laden wie früher, weil sie sich daran gewöhnt haben, von der Couch aus zu shoppen. Das geht mir nicht groß anders. Gleichzeitig wird Seife und insgesamt Naturkosmetik für viele UnternehmerInnen immer interessanter. Ein Stück Seife mit Firmenlogo ist ja wohl schöner, als der klassische Kugelschreiber, oder? Außerdem profitieren Hotels, HochzeitsplanerInnen und andere HändlerInnen von meinem Angebot. Den Bereich „Rezeptentwicklung“ habe ich neu erschlossen. Es macht mir viel Spaß, mit meinen KundInnen nach ihren Vorstellungen tolle Produkte zu entwickeln und nach ein paar Durchläufen kann ich sagen: das mache ich weiter.

4. okee

Anfang 2021 haben meine Freundin Maria und ich eine neue Firma gegründet, sie heißt okee. Wir wollen wirkstoffbasierte, hochwertige Naturkosmetik entwickeln und vertreiben. Anfangen werden wir mit Sojawachskerzen, die wir bald launchen. Eigentlich wollten wir das schon vor Weihnachten machen, aber naja – das Leben kam dazwischen.

5. Einmal die Woche bloggen

Seit über einem halben Jahr schleiche ich um das Thema Bloggen herum. Ich habe früher ganz viel geschrieben, für kleine Punkrock-Fanzines und habe auch ein paar eigene herausgebracht. 100 % DIY. Punk halt. Mit der Zeit kristallisierte sich immer mehr heraus, dass ich diese Skills auch ganz gut für mein Unternehmen nutzen kann. Größtenteils für Social Media, aber auch für Newsletter und E-Mails. Es macht mir Spaß und ich bekomme viele positive Reaktionen darauf, was wiederum meinen Bauch pinselt. Und weil ich besser arbeite, wenn ich mich in einer Gruppe befinde, bin ich Anfang Januar der Content Society beigetreten. Wenn Du magst, lies mit. ❤️