Persönliches

Es ist vollbracht!

Der Umzug in den neuen Laden ist rum. Ich bin total froh, dass ich so ein zuversichtlicher Mensch bin, denn ansonsten wären meine Nerven vermutlich 5 Minuten, nachdem der Umzugswagen ankam, das erste Mal kollabiert. Es war fürchterlich – der Fahrer der Bande war der schlecht gelaunteste Mensch, den man sich backen kann und außerdem ein bisschen (wie sag ich’s einigermaßen nett?) – einfältig. Er parkte den LKW sowohl vor dem alten als auch vor dem neuen Laden jeweils gut 50 Meter weit entfernt, sodass seine beiden Gehilfen und auch ich (ich kann niemandem bei der Arbeit zuschauen, ohne zu helfen) noch zusätzlich mit dem Umzugskram in der Hand rennen mussten. Den Sinn dahinter konnte er mir nicht befriedigend erläutern. Gut, an diesem Tag kam ich auf knapp 30k Schritte. Das passt in meinen Fitnessplan.

Im Augenblick bin ich noch damit beschäftigt, alles an Ort und Stelle zu bringen. Die tausend Umzugskisten warten darauf, ausgepackt zu werden, ich muss Möbelstücke für die Werkstatt ordern, ausmessen, aufbauen, bohren, arrangieren, planen. Alles keine Aufgaben, die ich gerne mache, an denen ich aber wachse. Außerdem hilft mir mein guter Freund Tino bei allen handwerklichen Themen und dafür bin ich sehr dankbar. Ich reiße nicht unbedingt das Haus nieder, wenn ich mit einem Hammer hantiere, aber es bereitet mir null Vergnügen.

Ladenfläche

Alle, die in Berlin leben, können seit letztem Samstag schon einkaufen kommen. Das einzige, was nicht funktioniert, ist der Bondrucker. Die Leute in Friedenau sind nett und mir sehr wohlgesonnen und ich freue mich darauf, dort zu wachsen und bekannter zu werden. Ich sehe die große Chance, durch eine Veränderung frischen Wind in mein Unternehmen zu blasen und das ist aufregend und macht Spaß. 

Ladenfläche

Ich freue mich, wenn Du mich begleitest, ob virtuell oder direkt Vorort. Es ist superschön, soviele persönliche Nachrichten zu bekommen und ich lese alle mit Freude. Genauso bin ich dankbar für jedes Gespräch im Laden. Für alle meine NeuköllnerInnen wird es bald eine Lösung geben, eine Art Abholstation für Bestellungen, denn mir ist bewusst, dass der Weg nach Friedenau selbst für Berliner Verhältnisse weit ist. 

Ladenfläche

So oder so – wir sehen uns!

Antje

Seifenberg
Persönliches

#storytime

Das erste Mal muss etwa ein Jahr nach Ladenöffnung gewesen sein. Eine Frau, deren Schwangerschaft schon weit vorangeschritten war, kam zu mir und war gefrustet und wollte sich einfach ein bisschen ablenken und packte Seifen in ihr Körbchen, um Freunde und Familie zu beschenken. Sie erzählte mir, dass sie bereits seit einer Woche auf das Baby warte und es einfach nicht kommen wolle. Am nächsten Tag sollte die Geburt im Krankenhaus eingeleitet werden und sie fürchtete sich davor. 

Ich erinnere mich daran, dass wir uns lange unterhielten und ich ihr von meiner Schwangerschaft erzählte und wir viel lachten und am Ende verließ sie mit einer riesengroßen Papiertasche voller Seife den Laden.

Ein paar Tage später bekam ich eine E-Mail von ihr, in der sie mir erzählte, dass Ihr Baby sich gleich nach ihrem Besuch bei mir auf den Weg gemacht hatte. Sie war glücklich und froh und alles hatte gut geklappt.

Ich weiß noch, wie lustig ich das fand. Und wie zufällig.

Heute, nach knapp 5 Jahren Ladenbestehen hat sich dieser Zufall viermal wiederholt. Vier weitere hochschwangere Frauen haben ihr Baby noch am selben Tag bekommen, an dem sie bei mir im Laden waren. 

Ich erkläre mir das mit den Düften. Was anderes fällt mir einfach nicht ein.

Hast Du ne Idee, woran das liegen könnte?

Seifen Natur
Persönliches

#truestory

Fatai stolpert in den Laden, so voller Pakete, dass er nicht mehr nach vorne sehen kann. Er stoppt mitten im Raum, balanciert die Pakete aus, schwankt dabei und seine Nase zuckt.

Haaaa…“, macht er.

Alle gehen in Deckung und der Boden erzittert unter seinem Nieser, Viren fliegen durch die Gegend. Und Pakete.

Da sind Bonbons vorne an der Kasse, probier mal eins, gut gegen Erkältung“, sage ich. „Erkältung? Quatsch, das kann ich mir überhaupt nicht erlauben!

Aber er geht zur Kasse und freut sich noch beim Hinausgehen so sehr, dass ich mich schäme, ihm nicht schon immer und jedes Mal Bonbons angeboten zu haben, ihm, dem einzigen Hermes-Boten, mit dem ich mich noch unterhalten kann, während er täglich die Pakete für den gesamten Häuserblock in meinen winzigen Flur stapelt.

Solche muss man sich warmhalten. Sind Gold wert.

Aber jetzt fliegt die Tür noch einmal auf und er steht wieder im Rahmen, mit knallrotem Kopf, die Augen riesengroß, beide Hände vor dem Mund. „Mmmh- Mmmmrhaaaaaah!!

Er holt ein Stück Probierseife aus der Tasche, hält es anklagend in die Luft. Ein Stück Seife mit seinem Gebissabdruck, richtig ein Stück rausgebissen ist da. Die Probierseife, aus dem anderen Glas, gleich neben den Bonbons an der Kasse.

Ich kann einfach nicht anders, denn es macht plop und an seiner Hand vorbei stiehlt sich eine winzige Seifenblase aus seinem Mund, ich muss einfach lachen, es geht nicht anders.

Auch, als ich ihm auf den Rücken klopfe, während er mir direkt vor die Türe kotzt. Auch da lache ich noch.

Vergiften! Du willst mich vergiften!“, japst er, aber ich sehe schon kleine Lachfältchen um die Augen, er spuckt aus, grinst kurz und röchelt dann wieder.

Es tut mir wirklich leid“, sage ich und räume das Bonbonglas rüber auf die andere Kassenseite.

Das kostet aber“, sagt er. Streckt die Hand aus.

Ich lege ihm ein Bonbon rein.

Aber er betrachtet sein Bonbon genau. Schält es andächtig aus dem Papier. Wirft es sich in den Mund.

Zerbeißt es und es kracht im ganzen Laden. Eine ältere Kundin verzieht das Gesicht.

Bis morgen!“, sagt er. Macht einen Riesenschritt über die Kotze vor der Tür.

Ja, solche sind echt Gold wert.

Muss man sich warmhalten.

Naturkosmetik, Persönliches

Warum ich keine Kooperationen eingehe

Obwohl ich meinen Zwanzigern längst entwachsen bin, ist mir natürlich bewusst, dass Werbung heute anders abläuft, als damals. Radio-, Fernseh- und Printanzeigen sind nicht mehr aktuell, denn heute werben wir geschlossen in Social Media. Was für viele UnternehmerInnen offenbar gut funktioniert, löst bei mir ein langanhaltendes Stirnrunzeln aus. Da ich keine permanenten Falten will, habe ich entschieden, das Thema Influencer-Marketing zu den Akten zu legen.

In den letzten zwei Jahren habe ich mehrmals Pakete gepackt und sie zu Menschen geschickt, die auf Instagram über eine große Reichweite verfügen. Natürlich nicht initiativ, sondern abgesprochen. Was erhoffte ich mir davon? Keine Ahnung, ehrlich gesagt. Vielleicht ein paar mehr FollowerInnen, einige verkaufte Seifen, sowas halt. Was bekam ich? Nichts plus Ware, die ich abschreiben musste. Für ein kleines Unternehmen wie eem ist das sehr bitter, denn dieses Geld fehlt. Ich hätte es genauso gut dem Obdachlosen Ercan geben können, der jeden Tag vor meinem Laden anhängt. Das wäre weitaus sinnvoller gewesen.

Ich bekomme nahezu täglich Anfragen, von kleineren InfluencerInnen. Teilweise nett, aber oft auch sehr dreist und durchschaubar. Einige besonders Schlimme zeige ich meinem Mann und wir lachen dann ein bisschen darüber. Mir ist schon klar, dass auch diese Anfragen den Sinn erfüllen, möglicherweise ein Unternehmen aufzubauen und ich habe Respekt davor, wenn jemand hart daran arbeitet, sich selbstständig zu machen. Aber ich habe keinen Respekt, wenn Anfragen unfreundlich und fordernd formuliert werden. Wir alle wissen nicht viel voneinander. Möglicherweise denkt jemand, der den Webshop von eem sieht, dass das Unternehmen viel Geld abwirft. Butter bei die Fische: dem ist nicht so. Ich arbeite mir jeden Tag den Arsch ab, um es auf solide Beine zu stellen. Warum das nach fast 5 Jahren noch so ist, kann ich gerne mal an anderer Stelle erläutern. Aber ich liebe meinen Job, also was soll’s.

Mein Entschluss, keine Energie (und vor allem kein Geld) mehr in Influencer-Marketing zu stecken, steht erstmal fest. Vielleicht ist das irgendwann anders, ich halte das Ende offen, denn Meinungen ändern sich und das ist auch gut.

Allgemein, Persönliches

Warum ich wieder in den Alltag zurückgehe.

Knapp acht Wochen sind viele von uns nun schon gelähmt. Einige haben einen steifen Nacken vom vielen Kopfschütteln. Mein Körper hat sich für einen erneuten Bandscheibenvorfall entschieden, auch clever. Da ich seit meinen Zwanzigern schon weiß, dass körperliche Reaktionen eng in Verbindung mit psychischen Störungen stehen, war das für mich der Hinweis, jetzt wieder Normalität in meinen Alltag zu bringen, auch wenn sich das paradox anhört. Und möglicherweise sogar egoistisch.

  • Alltag schafft einen klaren Kopf. Was passiert, wenn ich den ganzen Tag vor der Kiste sitze und den Newsticker refreshe? Ich tauche mit Haut und Haaren ins Geschehen ein und lasse keine anderen Gedanken mehr zu. Ich habe aber ein kleines Kind, einen Ehemann, Freunde, Familie und ein Unternehmen. Um all das will ich mich auch kümmern.
  • Es bringt niemandem etwas, wenn ich Zombimäßig durch die Welt laufe und nicht mehr weiß, was direkt neben mir geschieht. Meine Augenringe gehen unterdessen bis zu den Knien, nicht mal Concealer hält sie mehr auf. Ich agiere viel sinnvoller, wenn ich ausgeruht bin und nicht die ganze Zeit Grütze rede.
  • Ich kann besser in die Zukunft sehen, wenn ich das „große Ganze“ überblicke. Mein Business, meine freie Zeit und das Weltgeschehen dürfen nebeneinander existieren.

Es wird also wieder alltägliche Inhalte von mir geben, die nichts mit unseren ukrainischen und russischen Freunden zu tun haben. Ich werde morgens und abends Nachrichten konsumieren und nicht mehr den ganzen Tag. Meine Soli-Aktion bleibt weiterhin bestehen. Ich konnte schon 700 Euro an Vostok SOS spenden und es soll noch viel mehr werden.

Im Folgenden noch eine Liste von Informationsquellen meiner Wahl:

Xena berichtet täglich mehrmals live aus dem Westen der Ukraine. Ihr Wissen ist unerschöpflich und ihr Humor göttlich. Ich verfolge sie hauptsächlich auf TikTok oder Twitter.

Kristina sitzt mit ihrer Familie in Kiew fest und erzählt von ihrem Alltag. Morgens schaue ich immer als erstes, wie es ihr geht.

Valeria ist unterdessen nach Italien geflüchtet, aber auch sie hat direkt aus Kiew gesendet und jeden Tag kleine Videos gemacht, bei denen einem die Kinnlade runtergekippt ist.

Das Katapult-Magazin sitzt in Greifswald und berichtet jeden Tag kurz und knapp und ohne Bilder. Ich habe die Printausgabe abonniert, aber auch den Kanal auf Instagram.

Für mehr Infos und Hintergründe lese ich die Zeit.

Allgemein, Persönliches

Warum ich trotz schlechter Haut einen Laden für Naturkosmetik habe

Ich bekomme hin und wieder mal die Frage gestellt, wie es sein kann, dass ich einen Laden für Naturkosmetik und trotzdem so schlechte Haut habe. Oder warum ich blaue Haare habe, tätowiert und gepierct bin und ständig dreckige Witze mache. Das passt doch nicht zusammen!

Anfangs hat mich das verletzt, weil ich es so übergriffig fand, dass ich auf offensichtliche Unzulänglichkeiten in meinem Gesicht angesprochen werde. Ich finde es noch immer übergriffig, aber ich scheiße unterdessen drauf, was Menschen über mich denken, die mir charakterlich so sehr fern sind. 

Meine Haut ist schlecht, weil ich täglich Antidepressiva nehme. Bevor ich vor 13 Jahren mit der Einnahme begonnen habe, war meine Haut makellos. Jetzt ist sie teilweise wirklich schlimm, dafür habe ich aber nicht mehr alle paar Tage den Wunsch, aus dem Fenster zu springen. Was ist besser?

Meine Haut ist unfassbar trocken. Besonders im Winter ist das oft so extrem, dass keine Pflege es in den Griff bekommt. Ich erwarte dann in der Regel vorfreudig den Frühling, dann beruhigt sich das.

Ich bin 42 Jahre alt. Ich habe Falten. So ist das nun mal, die bekommt jedeR. Auch der Hals beginnt zu hängen. Herzlichen Glückwunsch. Kann man nicht ändern. Wenn mich das irgendwann stören sollte, werde ich über plastische Chirurgie nachdenken. 

Es ist mir egal, was fremde Menschen über mich denken, das bedeutet mir nichts, das trifft mich auch nicht (mehr). Wichtig ist, wie ich mich fühle. Ich werde immer das tun, was sich für mich richtig und gut anfühlt. 

Lavendel
Persönliches

Angst

Ich habe Angst, seit ich 19 bin. Damals, ich hatte einen Tag vorher meine Ausbildung zur Gardinenfachverkäuferin abgeschlossen, stand ich im Supermarkt und bekam ganz plötzich Todesangst. Total irrational, nicht zu begreifen. Keiner von meinen Freunden konnte es besser machen, noch in derselben Nacht hatte ich meine erste Therapiesitzung. Seitdem ist viel Zeit vergangen und ich habe einen (für mich) guten Umgang mit dieser Angst gefunden, aber ich weiß immer noch ganz genau, wie sie sich anfühlt. 

Im Moment haben ganz viele Menschen um mich herum Angst. Die meisten sind geschwächt von zwei Jahren Corona und sehr leicht angreifbar geworden. Ich habe auch Angst, aber ich entscheide, mich ihr entgegenzustellen und ihr den Mittelfinger zu zeigen.

Natürlich kann es passieren, dass irgendwas Beliebiges Dich plötzlich trifft und Du auf der Stelle tot umfällst. Ein Blumentopf zum Beispiel, den der Wind vom Fensterbrett im 5. Stock geweht hat. Oder eine Autotür, die aufschwingt, während Du mit dem Fahrrad an ihr vorbeifährst. 

Es ist nicht so wahnsinnig unwahrscheinlich, dass Dein Herz stehenbleibt oder Dir ein Blutgefäß platzt. Oder das irgendwas anderes in Deinem Körper versagt. 

Es kann passieren, dass irgendwo auf der Welt ein Verrücktgewordener entscheidet, einen Krieg anzuzetteln und so viele Unbeteiligte wie möglich zu involvieren. So vieles kann eskalieren, oder schiefgehen, oder nicht funktionieren.

Ich habe einen Sohn. Der kleine Kerl ist eben erst 8 Jahre alt geworden und ich habe Angst um ihn. Dass er in einer Welt voller Ungerechtigkeiten aufwächst, dass er die Auswirkungen des Klimawandels mit aller Wucht vor die Füße gekotzt bekommt. Ich mache mir jeden Tag Sorgen um ihn. Aber ich will ihn zu einem empathischen, starken, loyalen und lebensfrohen Menschen heranziehen und bisher habe ich das ziemlich gut hinbekommen. Okay, mein Mann hat auch einen kleinen Teil dazu beigetragen. Natürlich rede ich mit ihm, meinem Sohn, über die Dinge, die in dieser Welt geschehen, aber ich versuche, ihm keine Angst zu machen.

Im Augenblick sehe ich mich herausgefordert, mit etwas umzugehen, was ich nicht ändern kann. Ich kann nicht beeinflussen, dass sich an der grundlegenden Situation etwas ändert, aber ich kann reagieren. Ich kann versuchen, die Menschen, denen es jetzt richtig schlecht geht, zu unterstützen. Indem ich Geld spende zum Beispiel. Weil ich selbst nicht so wahnsinnig viel habe, das ich hergeben könnte, verkaufe ich Soli-Seifen und spende den Erlös zu 100 % an Vostok SOS. Das kann ich auf jeden Fall tun. Oder ich krame meinen Kleiderschrank aus und spende Klamotten. Oder ich nehme Menschen bei mir auf. Oder, oder, oder. Es gibt so viel, was ich grad tun kann. Ein guter Nebeneffekt – die Angst wird leichter, je mehr ich im Fluss bin. Ich bin nicht mehr gelähmt, ich kann handeln und Entscheidungen treffen. Wir können der Angst begegnen, immer!

Sicher wird irgendwann mal das Licht ausgehen, aber hab’ bitte keine Angst, denn das wird nicht jetzt sein. ❤️

Persönliches

Warum ich Dogma Kacke finde

Schon vor knapp fünf Jahren, als ich mich mit Erica selbstständig machte, begegneten mir anstrengende, dogmatische Gespräche in Form von: Dieses und jenes darfst du nicht machen, wenn du umweltbewusst leben willst. Das regte mich schon immer total auf und ließ mich aus sämtlichen Plastikfrei-Gruppen auf Facebook austreten, obwohl ich mich dort sehr gerne ständig informiert hätte.

In diesen Gruppen haben TeilnehmerInnen u.a. wildfremde Menschen fotografiert, wie sie beim Tanken Plastikhandschuhe trugen und die Bilder dann online gestellt.

Ich habe erlebt, wie Menschen angefeindet wurden, weil sie zur Seifenherstellung Palmöl nutzten.

Ich wurde mal als faul und verlogen bezeichnet, als ich den Satz Wir brauchen keine Handvoll Menschen, die Zero Waste perfekt machen. Wir brauchen Millionen Menschen, die es unperfekt machen erwähnte. Ein Zitat von Anne Marie Bonneau aus dem Internet.

Jetzt, in meiner kleinen Bubble höre ich solche Dinge nicht mehr häufig, aber natürlich ist mir bewusst, dass sie trotzdem da sind. Es gibt sie weiterhin, die Menschen, die andere verurteilen, weil sie etwas machen, das in ihren Augen nicht richtig ist. Und wenn Du (ja, ich spreche Dich direkt an) vielleicht auch manchmal denkst, dass man immer 100% sein muss, gebe ich Dir ein paar Beispiele aus meinem Leben, wie es auch anders geht.

Ich habe blaue Haare, seit Jahren. Die Tönung hält nur, wenn ich vorher blondiere. Das mache ich alle 2-3 Monate. Die Produkte dafür sind in Plastik verpackt und nicht natürlich. Dafür schwöre ich auf NoPoo, eine Methode, bei der man mechanisch mit einer Bürste den Talg von der Kopfhaut in die Längen verteilt und so den Körper konditioniert, auf Dauer weniger Talg zu produzieren. Ich wasche meine Kopfhaut etwa einmal im Monat mit Shampoo. Das spart Verpackung und Ressourcen.

Ich bin tätowiert und zwar wild. Beim Tätowieren entsteht ordentlich viel Müll. Wenn jemand tätowiert ist, assoziiert man diesen Menschen möglicherweise nicht sofort mit Natürlich- und Nachhaltigkeit. Aber wissen wir, ob dieser Mensch nicht vielleicht in seiner Freizeit Müll aufsammelt und Petitionen für mehr Mülleimer in der Stadt erstellt? Oder, so wie ich, einen Laden für Zero Waste-Produkte hat und diejenigen dabei unterstützt, den Alltag Müllfreier zu gestalten, die es gerne wollen?

Ich mache dreckige Witze, die ganze Zeit, oft auch politisch inkorrekt. Da mögen manche denken Wie geht das zusammen, wenn man Toleranz und Achtsamkeit fordert?. Für mich schließt das eine das andere nie aus. Ich gehe durch diese kaputte Welt und verzweifle oft an Tatsachen, an denen ich offensichtlich nichts ändern kann. Mein Humor hilft mir, darüber stehen zu bleiben und nach Alternativen zu suchen.

Mir ist es wichtig, dass wir uns gegenseitig lassen. Die meisten von uns haben triftige Gründe für ihr Verhalten und wissen genau, was sie tun. Auch wenn es manchmal nicht rational erscheint – lassen wir sie einfach machen! Wenn Dein Wissensdurst Dich killt, frage nach, aber bitte nur nett und nie anklagend. Damit verscheuchst Du diese Menschen und Du wirst ihre Beweggründe niemals erfahren.

Die einzige Ausnahme sind und bleiben Nazis. Mit Nazis sprechen bringt nichts, das versteht sich von selbst.

Ich halte fest: Dogmatismus hält auf. Er lähmt uns. Wir können niemals perfekt sein und das müssen wir auch garnicht. JedeR von uns gibt ihr/sein Bestes. Wir verändern die Welt, jedeR soviel, wie er/sie kann.

Hast Du Anregungen oder willst Du Deine Meinung zum Thema Dogmatismus sagen? Ich freue mich immer über Kommentare, aber hierzu ganz besonders. <3

Antje

Persönliches

Älter werden

Im Februar ist mein Geburtstag. Normalerweise bin ich kein Fan und verkrieche mich an diesen Tagen im Bett. Aber ich habe eine Erkenntnis gewonnen und die würde ich gerne teilen. 

Für mich bedeutet 42 Jahre alt zu sein, mindestens die Hälfte meines Lebens geschafft zu haben. Da kommen unweigerlich Fragen auf wie: Habe ich genug getan, um es bis hierher auszukosten? Bin ich ausreichend oft in der Kneipe unterm Tisch gewesen? Habe ich genügend Spaß gehabt? Bin ich genug gereist? 

Ich will Euch was sagen: auf manche Fragen kann ich mit „Ja“ antworten, auf manche mit „Nein“. Vieles in meinem Leben ist komplett anders verlaufen, als ich es mir vorgestellt hatte. Aber eines ist ganz klar: es ist toll, wie es ist

Heute hatte ich ein schönes Gespräch mit einer weisen Frau (Hallo, Laura!), in welchem Verlauf ich sagte, dass ich meine Einstellung zu mir selbst meinem Alter zu verdanken habe. Diese weise Frau entgegnete, dass das eher meiner Arbeit an mir selbst geschuldet sei und ich muss ihr unbedingt recht geben. Ich bin heute, mit 42, ein viel coolerer Mensch als noch vor 10 Jahren.

Foto: Josephine Neubert

Wie stehst Du zu Deinem Alter? Bist Du fein damit oder macht Dir das Angst? Schreib mir gern Deine Gedanken dazu, wir können viel voneinander lernen.

Ich habe immer mit meinem Aussehen gestrugglet. Früher war ich spindeldürr, mit Mitte 20 wog ich 45 Kilo. Als ich Anfang 30 war, nahm ich zu und bekam Akne. Geil. Ich habe mich nie besonders schön gefühlt. Heute tue ich das, mit allem, was dazu gehört: meinen Pickeln, meinen grauen Haaren, dem dicken Bauch und dem Hallux.

Antje Thoms, Beautyexpertin

Ich war schon immer eine super-ungeduldige Person, wenn jemand z.B trödelt, bin ich schnell auf der Palme.  Aber je älter ich werde, desto mehr lerne ich, die Menschen um mich herum so zu lassen, wie sie sind. Ich stecke noch mitten im Lernprozess, aber ich merke, es wird besser.

Antje Thoms, lernt schnell dazu

In meinen Zwanzigern habe ich mich größtenteils mit mir selbst beschäftigt (ich glaube, das ist einigermaßen normal). Jetzt sehe ich  das große Ganze viel mehr und ich weiß, dass es wichtig ist, andere mit einzubeziehen. Natürlich immer unter der Prämisse, sich selbst nicht zu vergessen.

Antje Thoms, hat die Scheuklappen abgesetzt

Seit ich 19 bin, habe ich eine Panikstörung und bin depressiv. Danke, Leben! Über 10 Jahre bin ich damit herumgerannt und habe mich schlecht gefühlt. Nach unzähligen Therapien habe ich mich für Folgendes entschieden: ich werfe jeden Morgen eine handvoll Pillen in meinen Mund und  fülle meinen Serotoninspiegel künstlich auf. Für manch einen ist das Unterdrückung/Betäubung, für mich macht es mein Leben absolut lebenswert.

Antje Thoms, Unterstützerin der Pharma-Lobby

Je älter ich werde, desto mehr Witze mache ich. Unser Leben zuhause ist eine einzige Comedy-Show und ich liebe das. Ich liebe es, dass mein Mann so ein lustiger Mensch ist und das unser Sohn mit seinen 8 Jahren einen ganz feinen und ausgeprägten Sinn für Humor hat. Ich bin jeden Tag dankbar über diese Tatsache.

Antje Thoms, Fips Asmussen-Double

Seifentisch
Persönliches

Warum ich keine Dumping-Preise anbiete

In letzter Zeit häufen sich die Anfragen nach Rezeptentwicklungen, was wirklich toll ist. Auf diese Art der Zusammenarbeit habe ich besonders große Lust, denn ich kann mich kreativ ausleben und etwas Tolles kreieren, mit dem meine KundInnen, die EndverbraucherInnen und am Ende ich glücklich sind. Die Entwicklung fällt mir leicht, ja, auf jeden Fall. Ich brauche auch nicht lang dafür, einen ersten Entwurf zu Papier zu bringen. Woran das liegt? An meiner Expertise. Ich habe die letzten 5 Jahre damit verbracht, mich intensiv mit dem Thema auseinanderzusetzen. Habe unzählige Rezepte probiert, versemmelt, nochmal neu begonnen, in den Eimer geworfen und so weiter. Dabei habe ich massig viel für Rohstoffe, für Kurse und für Fachbücher ausgegeben. Dieses Wissen kostet Geld.

Antje steht in der Werkstatt und macht Seife
Riechen ist mein großes Hobby.

Wenn Du mit mir zusammen Dein Produkt entwickelst, wird es gut. Ich nehme nicht einfach irgendein Rezept und hübsche es auf, sondern ich entwerfe Dir DEIN Produkt. Womit Du Geld verdienen wirst, wenn Du es richtig anstellst. Und diese Arbeit kann nicht umsonst sein.

Ich bin ein großer Fan von Fairness und ich finde es wichtig, dass alle, die an einem Arbeitsprozess beteiligt sind, in irgendeiner Weise davon profitieren. Und damit meine ich auch PraktikantInnen, GrafikerInnen, HerstellerInnen, LieferantInnen, etc.. Ich will Niederschwelligkeit und ich wünsche mir, dass alle zufrieden sind.

Pigment in Seifenleim.

Wenn Du Lust hast, mit mir zu arbeiten, dann freue ich mich, wenn Du Dich bei mir meldest. Ich erläutere Dir gerne meine Preise und wie sie sich zusammensetzen.