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Was ist der Unterschied zwischen Shampoo und Haarseife

Das ist die Frage, die ich im Laden am Häufigsten gestellt bekomme. Für viele bedeutet beides ein und dasselbe und es gibt sogar HerstellerInnen, die auf Ihre Seife „Shampoo“ schreiben und umgekehrt. Damit ist die Verwirrung dann komplett. Es folgt ein kleiner Wegweiser.

Shampoo

Ob flüssig oder fest – Shampoo hat nur ein Ziel, nämlich die Kopfhaut zu entfetten. Oft enthält es mehrere Tenside, die schön viel Schaum produzieren, so wie wir es suggeriert bekommen, dass es zu sein hat. Neben dem ganzen Stadt- oder Landdreck, der sich auf unserer Kopfhaut ansammelt, wäscht das Shampoo den Talg herunter. Die Talgschicht wird vom Körper mit dem Ziel gebildet, die Haut zu schützen und der Körper legt automatisch anständig an Fett drauf, wenn wir mit zu vielen und zu scharfen Tensiden alles wegnehmen. Eine ganz einfache Rechnung eigentlich – Du wäschst oft, weil du oft wäschst.

Haarseife

Auch Haarseife wäscht das Haar sauber, jedoch auf völlig andere Art. Eine Seife ist ebenfalls ein Tensid, jedoch entsteht es, wenn man Fette und Lauge vermischt und nicht auf synthetische Weise. Außerdem wird einer Naturseife häufig auch eine Überfettung beigefügt und dieser Anteil von nicht verseiftem Öl sorgt dafür, dass die Kopfhaut eben nicht austrocknet. So lernt sie nach und nach, weniger Talg zu produzieren. Je höher die Überfettung, desto weniger oft muss man wieder waschen. Klingt gut, oder?

Das Waschen

Synthetische Tenside trocknen nicht nur die Kopfhaut aus, sondern auch die Längen. Aus diesem Grund solltest Du peinlich genau darauf achten, ausschließlich die Kopfhaut zu waschen, wenn Du Shampoo benutzt. Beim Ausspülen bekommen die Längen ausreichend Schaum ab.

Bei Haarseife sollst Du bitte auch die Längen einschäumen, denn die profitieren von der Überfettung und werden gleich ein bisschen mitgepflegt.

Fazit

Vereinfacht ausgedrückt kann ich festes Shampoo für all diejenigen Menschen empfehlen, die ihren Plastikmüll im Badezimmer gerne reduzieren, aber sonst nichts am Waschverhalten ändern wollen. Auf Haarseife greifst Du zurück, wenn Du nicht nur Müllfrei, sondern auch nachhaltig waschen möchtest.

Wenn Du tiefer in das Thema Haarseife eintauchen möchtest, empfehle ich Dir meinen letzten Artikel.

Seifen in Seifenschalen
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So verwendest Du Haarseife

Meine Anleitung

Du wolltest schon immer Haarseife ausprobieren, fühlst Dich aber durch die Anwendung abgeschreckt oder hast Du das Waschen schon versucht und Deine Haare fühlten sich hinterher wie ein Bündel in Öl getränktes Stroh an? Dann habe ich hier eine Anleitung für die Verwendung von Haarseife für Dich.

Die richtige Seife finden

Als allererstes müssen wir folgende Überlegungen anstellen: Wie häufig wäschst Du Dein Haar? Wie ist die Struktur Deines Haares? Mit welchen Produkten wäschst Du jetzt und hast Du die letzten Monate gewaschen? Was ist Dein Ziel – einfach natürlich zu waschen oder gleichzeitig die Waschabstände zu beeinflussen?

Szenario 1 – Dein Haar ist fein, Du wäschst häufig und beginnst erst mit Haarseife: wähle eine Seife, die möglichst niedrig überfettet ist. Dein Schopf braucht vermutlich ein wenig Zeit, sich mit dem neuen Wascherlebnis auseinanderzusetzen und reagiert vielleicht mit Ablehnung. Das liegt häufig daran, dass Du ihn in der Vergangenheit sehr oft und mit Produkten gewaschen hast, die starke Tenside, Silikone und anderen Rotz enthalten haben. No Worries, das Zeug ist halt in Shampoos drin, die wir in der Drogerie kaufen. Jetzt muss sich unsere Kopfhaut einfach umstellen. Wenn Du sicher bist, dass Du Silikonhaltige Shampoos genutzt hast, kannst Du eine Natronwäsche machen, um diese herauszuspülen. Mische dazu einfach einen Liter warmes Wasser mit einem kleinen Päckchen Natron und spüle damit das bereits feuchte Haar, kurz einwirken lassen und wieder ausspülen. Danach siehst Du ein Resultat, das Dir möglicherweise nicht gefallen wird, was daran liegt, dass Silikone uns vormachen, unser Haar sei weich und glänzend. Unter dieser Plastikschicht verbirgt sich aber häufig ein etwas anderes Bild. Mach‘ Dir keine Sorgen, das kriegen wir hin!

Szenario 2 – Dein Haar ist wellig und einigermaßen widerstandsfähig: starte mit etwa 6 % Überfettung (*). Mache gerne auch die Natronspülung, wenn Du Silikonhaltige Shampoos verwendet hast.

Szenario 3 – Du hast Locken und wäschst ohnehin nur einmal die Woche? Dann gib‘s Dir richtig dreckig mit Überfettungen ab 10 % aufwärts. Du wirst wahrscheinlich direkt merken, wie geil Dein Haar das Fett findet.

Das Waschen

Anders als beim Shampoo waschen wir alles – von der Kopfhaut zu den Längen. Einfach alles. Wir wollen außerdem Schaum – soviel wie in den 90ern auf ner Schaumparty in der Dorfdisco. Mache die Haare dazu nass und reibe Dein Seifenstück direkt über Kopfhaut und Längen, nimm immer wieder ein bisschen Wasser dazu, denn das aktiviert die Schaumbildung. Wenn Du ausreichend hast, massiere alles ordentlich durch. Anschließend wird ausgespült und das auf jeden Fall gründlicher, als beim Shampoo, denn die restliche Seife siehst Du auch dann nicht, wenn das Wasser bereits klar den Abfluss hinabläuft. Spüle am besten doppelt so lange aus, wie Du es sonst gewohnt bist.

Die saure Rinse

Eine Seife, egal ob für den Körper oder für die Haare, reagiert immer mit Kalk. Je nachdem, in welcher Region Du lebst, hast Du davon viel oder weniger im Wasser. Bei letzterem kannst Du froh sein, denn der Kalk bewirkt, dass Dein Haar nach dem Waschen mit Seife aussieht und sich anfühlt wie ein schlechter Scherz. Das ist Kalkseife. Die müssen wir eliminieren und das schaffen wir mit einer sauren Rinse. Diese beseitigt das eklige Gefühl auf den Kopf und stellt die saure Umgebung wieder her, in die wir soeben mit der basischen Seife eingegriffen haben.

Dazu bereitest Du Dir vor dem Waschen am Besten einen Liter warmes Wasser vor und fügst zwei Esslöffel milde Säure (Obstessig oder Zitronensaft (*)) dazu, nach dem Ausspülen der Seife kippst Du Dir die Lösung über den Kopf, schaust, dass Du alles triffst und fertig ist die Laube. Kein Ausspülen nötig. Die saure Rinse ist übrigens Dein natürlicher Conditioner – sie macht das Haar schön glänzend und gut kämmbar. Du musst sie nicht mit Wasser ausspülen, der saure Geruch verfliegt, wenn das Haar getrocknet ist. Wenn das Wasser in Deinem Wohnort nicht kalkhaltig ist, kannst Du es ohne Rinse versuchen oder einfach mit kaltem Wasser nachspülen. Hier ist experimentieren gefragt.

Fazit

Es kann sein, dass Dein Haar ein wenig Zeit braucht, sich an die neue Waschmethode zu gewöhnen, aber wenn Du geduldig bist, kann es passieren, dass Du mit tollem Haar belohnt wirst, das Du nur noch selten waschen musst und das kräftig nachwächst.

Dieser Artikel stellt meine Erfahrungen dar. Ich habe vor über zehn Jahren angefangen, mich mit diesem Thema zu beschäftigen und habe es quasi studiert. Trotzdem bin ich auch schon hin und wieder an meine Wissensgrenzen gestoßen und habe KundInnen gehabt, bei denen das Waschen mit Seife einfach nicht funktioniert hat. Darum hier als Fazit mein Expertinnen-Tipp: wenn es klappt, ist es super und schön, wenn nicht – Scheiß drauf: es sind nur Haare. ❤️


* Die Überfettung ist der nicht verseifte Anteil von Fett in der Seife. Sie legt sich pflegend auf die Kopfhaut und konditioniert sie. Die in Shampoos enthaltenen Tenside trocknen die Kopfhaut extrem aus. Der Köper produziert stante pede Talg nach, der sich schützend auf die Haut legt. Beim Verwenden von Shampoo gilt: je häufiger Du wäschst, desto häufiger wäschst Du. Das mag im ersten Moment seltsam klingen, entspricht aber der Wahrheit, lass den Satz mal wirken. Die Überfettung sorgt dafür, dass der Körper sich langsam daran gewöhnt, weniger Talg zu produzieren. Je höher sie ist, desto weniger schnell musst Du Dir die Haare waschen.

* Verwende Zitronensaft lieber nur bei hellem Haar, denn auch wenn hier nur sehr wenig davon zum Einsatz kommt, kann es die Längen doch immer noch ein bisschen ausbleichen.